Rüther: Flüchtlinge und Vertriebene in Jüchen

326 VOR ORT: ANPASSUNG ODER INTEGRATION? bezeichnung für die neue Straße imSiedlungsgelände einen „kleinen Wettbewerb“ mit einer Prämie von immer 50 DM auszuloben, um so – wie es ausdrücklich hieß - „das Interesse der Bevölkerung“ zu wecken, „an demGeschehen innerhalb der Gemeinde mehr als bis- her teilzunehmen“. - Über den Ausgang des Wettbewerbs finden sich im Protokollbuch keinerlei Einträge. Als imAugust 1951 der Bewilligungsbescheid für ein „Landes- darlehen zur Errichtung von 6 Kleinsiedlerstellen (Flüchtlinge)“ in Jüchen eingetroffen und der Baubeginn auf das Monatsende festgelegt worden war, wurden die Siedler umgehend aktiv. In rund 200 Arbeitsstunden ebneten sie das Gelände der ehemaligen Zie- gelei ein und begannen mit dem Bau ihrer Häuser, deren erstes am 26. Januar 1952 Richtfest feiern konnte. Am 12. Mai 1953 wurde mit dem Richtfest von vier Doppelhäusern der 2. Bauabschnitt der bis dahin sechs Einfamilienhäuser umfassenden neuen Siedlung „Siedler-Fragebogen“ von Eugen R., Oktober 1950. Er stammte wie seine Frau Gertrud aus Bromberg in Pommern. Das Ehepaar wohnte mit fünf zwischen 1934 und 1949 geborenen Kindern am Niederrhein, während der älteste Sohn zu die- sem Zeitpunkt noch immer als vermisst galt. Blick vom Turm der katholischen Kirche über Haus Katz und katholische Volks- schule auf das neue Siedlungsgebiet auf dem Gelände des alten Ringofens, 1950er Jahre Blick auf die Siedlung am Kotthundsweg, der heutigen Birkenstraße in Jüchen, 1959. Die Straße, so hieß es im dazugehörigen Artikel der Westdeutschen Zeitung am 6. März 1959, sei ein „Musterbeispiel dafür, wie eine Straße nicht aussehen soll“. Die rund 150 Anwohner könnten ihre Häuser nur mit Gummistiefeln verlas- sen, um durch das „Schlammfeld“ zu gelangen. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass das gesamte Jüchener Gemeindegebiet zu diesem Zeitpunkt über keinerlei Kanalisation verfügte!

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