Rüther: Flüchtlinge und Vertriebene in Jüchen

185 teilt werden. Daher ist eine differenzierte Analyse der realenMög- lichkeiten unumgänglich, denn nur sie eröffnet die Chance auf eine gerechte Bewertung der jeweiligen kommunalen und indivi- duellen Leistungen. Folge eines solchen Anspruchs ist ein aufwän- diges, weil kleinteiliges Vorgehen, aber nur so kann das Phänomen „Flucht und Vertreibung“ in denDörfern amNiederrhein halbwegs ausgewogen untersucht und bewertet werden. Das Jüchener Gemeindegebiet nach der kommunalen Gebietsreform am 1. Januar 1975 (Stand Januar 1991). Der ursprünglich zum Gemeindegebiet zählende Ort Belmen ist bereits dem Braunkohletagebau zum Opfer gefallen. Battle of the Ruhr Das Jahr 1943 sollte die Intensität und die Folgen der früheren Bombenangriffe weit in den Schatten stellen. Im Jahresverlauf fielen mehr als 200.000 Tonnen Bomben auf das Reichsgebiet und damit rund viermal so viele wie im Jahr zuvor. Zu den besonders schwer betroffenen Regionen zählten das Rheinland und das Ruhrgebiet, aber auch Hamburg und andere Hafenstädte sowie Berlin wur- den zunehmend zum Ziel alliierter Bombar- dements. Grundlage dessen, was zwischen März und Juli 1943 über die Städte des rheinisch- westfälischen Industriegebiets unter dem Schlagwort der „Battle of the Ruhr“ herein- brechen sollte, war ein Beschluss der Alli- ierten auf ihrer Konferenz in Casablanca im Januar 1943, wonach der eindeutige Schwerpunkt ihrer Luftkriegsstrategie ne- ben der Zerstörung von Verkehrswegen und Rüstungsanlagen künftig auf der Untergra- bung der Moral der Industriearbeiterschaft und den dazu als notwendig erachteten Flä- chenbombardements liegen sollte. Das - letztlich erfolglose - „moral bombing“ war damit auch offiziell sanktioniert.

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