Rüther: Flüchtlinge und Vertriebene in Jüchen

311 VOR ORT: FLÜCHTLINGE IN JÜCHEN „Wirtschaftswunder“ oft noch über Jahre angespannt und blieb stark verbesserungswürdig. So konstatierte der Chronist der evan- gelischen Volksschule in Garzweiler noch 1955, die sozialen Ver- hältnisse in den ortsansässigen evangelischen Flüchtlingsfamilien seien „überwiegend schlecht“. „Mittellos, wie Vertriebene und Flüchtlinge sind, gilt für sie in erster Linie die Sorge ums tägliche Brot und dieWiederbeschaffung des notwendigenHausrats. Rast- lose Arbeit von Vater und Mutter, zum Teil auch der Kinder – meist im Zuckerrüben-, Gemüse- und Tulpenanbau der Bauern – füllt den Tag von früh bis in die Nacht hinein aus. Schule und häusliche Hausarbeit sind besonders in der Sommer- und Herbst- zeit notwendige Übel.“ 540 - Das klang wahrlich weder nach begin- nendemWohlstand noch nach gelungener Integration. Es war somit lediglich einem Bauern gelungen, im Rheinland wieder einen eigenen Betrieb zu bewirtschaften, während 37 Land- wirten dieserWeg versperrt blieb. Sie werden sich – wie etwa die El- tern von Elisabeth Schütte – in der bezeichnenderweisemit Abstand personenstärksten Rubrik „sonstige Arbeiter“ oder in jener der „Landarbeiter“ wiedergefunden haben. Das aber bedeutete einen steilen sozialen Abstieg, der auch von etwaigen späteren Lastenaus- gleichszahlungen nicht annähernd kompensiert werden konnte. Handwerkern, Kaufleuten oder Beschäftigten des öffentlichenDiens- tes gelang es hingegen inHochneukirch wie andernorts weitaus bes- ser, in ihren alten Berufen oder zumindest Branchen Fuß zu fassen. Insgesamt betrachtet war die Lage der meisten Flüchtlingsfa- milien in den niederrheinischen Dörfern auch im beginnenden BERUF FRÜHER JETZT Landwirt 38 1 Kaufmännische(r) Angestellte(r) 31 8 sonstige Arbeiter(innen) 15 85 Schlosser 14 14 Maurer 13 17 Angestellte(r) im öffentlichen Dienst 11 7 Schneiderinnen und Näherinnen 10 14 Tischler 8 5 Hausgehilfe 8 14 Lehrer 8 5 Landarbeiter 8 16 Automechaniker 6 2 Lebensmittelhändler 6 4 Textilkaufleute und Angestellte 5 4 Müller 3 2 Beamter 3 1 Schmied 3 2 Eisenbahner 3 2 Bäcker 3 3 Gärtner 3 2 Fuhrunternehmer 3 2 Klempner und Installateur 3 2 BERUF FRÜHER JETZT Friseur 3 2 Musiker 2 3 Elektrotechniker 2 2 Förster 2 1 Großkaufmann 2 - Krankenschwester 2 1 Schuhfabrikant und –kaufmann 2 8 Koch 2 - Berufssoldat 1 - Bautechniker 1 1 Ingenieur 1 1 Korbmacher 1 - Maler und Anstreicher 1 5 Staatsbeamter 1 - Architekt 1 1 Dachdecker 1 - Kellner 1 - Heizer 1 - Pfarrer 1 1 Polizeibeamter - 1 233 239 GLIEDERUNG DER FLÜCHTLINGE IN HOCHNEUKIRCH NACH FRÜHEREN UND AKTUELLEN BERUFEN (JULI 1949) 539

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